Hotel Mueller

Hotel Müller - Kyllburg - Eifel

Das nette Haus für nette Leute

Hotel Müller Kyllburg Eifel · Mühlengasse 3 · 54655 Kyllburg · Tel 06563/96960 · eMail: info@hotel-mueller-kyllburg.de · GPS: N 50° 02´ 29" - E 06° 35´ 28"

Reisebericht einer Sommerradtour nach Kyllburg

Eine für ein Printmedium ausreichend gekürzte Version dieses Artikels erschien im Magazin "Rad am Rhein" des ADFC Düsseldorf, Ausgabe 01/2013. Wir danken Dietmar Wolf für den Text und Anja Vorspel für die Fotos.

UFO, Mord & Totschlag, Menhire, Römer, viel Natur und ein Pi

Freitag
„Das Wort bergauf möchte ich bitte nicht hören.“ sagte B. anlässlich der Tour-Erklärungen nach der Ankunft in Nettersheim. Die Reise per Eifel-Bahn mit 17 Fahrrädern funktionierte besser als befürchtet. Trotz weiterer Kleingruppen war in den Triebwagen ausreichend Platz. Die Idee eines Eifel-Radexpress kam auf, dazu später mehr.

„Okay,“ kam dann die Ansage vom Herrn Tourenleiter, „wir radeln hier von Nettersheim zum Aufwärmen erst einmal durch das wunderschöne Tal der Urft. Nach so ca. 8 km biegen wir in Blankenheim Wald links ab auf ein 3km langes - sagen wir einmal negatives Gefälle - und erreichen Blankenheim.“

Sie ahnen es, liebe Leser, auf dieser Reise ging es also nur bergab. Vom 03.08. bis 05.08.2012 gab es eine Eifel-Tour des ADFC Düsseldorf nach Kyllburg.
Und tatsächlich erweckte die Strecke des ersten Tages den Eindruck, es würde viel bergab gerollt. Stimmte natürlich nicht. Aber die gewählte
Route Nettersheim – Blankenheim – Ahrtalweg - Ahrdorf – Kalkeifelradweg - Hillesheim – Gerolstein – Kylltalradweg - Kyllburg
folgte im Wesentlichen Bahnstrecken (siehe ADFC Regionalkarte Eifel/Mosel).

Zum Glück meist gut entfernt von Autostraßen konnte man die Natur und eine Reihe Sehenswürdigkeiten genießen. So zum Beispiel die Ahrquelle, Ruine Neublankenheim, die erfrischenden Wasserfälle von Dreimühlen, Burg Kerpen und mehr.
Doch plötzlich… In Hillesheim kam es zu Mord & Totschlag. Himmel hilf! Im Ambiente von Miss Marple, Jacques Berndorf und Co. nahm man den Blick auf Filmplakate, Revolver und Giften gerichtet den Kaffee ein. Krimi-Kult.
Im Café Sherlock des Kriminalhauses Hillesheim stärkte der mordsmäßig leckere Kuchen die Gruppe. Charmant geschwungen entlang der Radwege vorbei an Feldern und Wiesen, immer mit dem Blick auf Eifelwälder, die sich links und rechts die Berge hinauf erstreckten, radelten die Siebzehn. Wer aufpasste konnte reihenweise Burgen, darunter die imposante Betradaburg in Mürlenbach, zählen. Nach 86km erreichte man das ADFC Bett&Bike Hotel Müller in Kyllburg und bekämpfte die drohende Dehydrierung mit einem Eifeler Landbier. Die Gruppe war angenehm überrascht. Nicht nur vom Bier. Die recht lange Fahrt stellte man sich bedeutend anstrengender vor. Doch man soll den Abend nicht vor dem nächsten Tag…

Samstag
„Wir fahren heute die Berge munter rauf runter zur Nims, trinken erst Viez und dann Mulsum. Danach sehen wir UFOs.“ so die Ansage zum zweiten Tourtag.
Am Anfang stand der Berg. So nutzen die Radlerinnen und Radler reichlich negatives Gefälle. Motto dieses Tages war Natur & Geschichte erradeln. Die Tourenleiter tüftelten die Fahrt auf sehr ungewöhnlichen Wegen fernab bekannter Routen aus. Nachfahrenden sei unbedingt eine Wanderkarte (im Hotel erhältlich) empfohlen.
Nach einem opulenten Frühstück ging es froh gelaunt, auf der gesamten Tour wurde nämlich viel gelacht, die Stimmung war trotz mancher Anstrengungen echt gut - okay, das Wetter machte auch mit - also nach dem Frühstück ging es direkt am venezianischen Schloss Malberg vorbei über Malbergweich nach Neidenbach.
Nach Neidenbach aber bald links ab und dem Wanderweg 67 folgend in die Pampa. Endlich Ruhe, wieder Wiese, Ackerland, frisch gemähtes Heu, Bussarde und Milane. Bald hörte der Asphalt auf.
Dem Wirtschaftsweg folgend erreichte die Gruppe bei ein paar Windrädern die erste Kuppe. Puh. Pause. Ganz viel negatives Gefälle, doch es lohnte sich, wie der Rundumblick zeigte. Und zusammen gemeisterte Anstrengungen schweißen zusammen. Es war schon eine gute Gruppe, die trotz der hohen Zahl Mitradelnder Rücksicht aufeinander nahm und sich gegenseitig half. Die Belohnung erklärte sich als schöne Waldstrecke hinab nach Seffern. Voila, die Nims! Die barocke Brücke von 1825 mit ihren vielen Heiligenstatuen lud zu einem Gruppenfoto ein.

Die viel befahrene Landstraße meidend ging es auf bestem negativen Gefälle nach Schleid. Helau! Bitte? Kyllburg feierte glatte 5x11 Jahre Kyllburger Karnevalsgesellschaft, Nachbarn feierten mit und so kam auf der Anliegerstraße überraschend ein Karnevalswagen entgegen.
Ziel der Etappe nach Schleid war das Burgkapellchen aus dem Mittelalter. Im Ort traf die Gruppe auf den Nimstalradweg, der sie wieder super und fern der großen Straße nach Bickendorf führte.

Da gab es Viez. Herr Schons erklärte wie folgt: “Nachdem der erste Wein bei den Römern durch war, nahm man die zweite Möglichkeit, den Apfelwein, Vize quasi.“ Herr Schons betreibt auf seinem Hof in Bickendorf das private „Museum von freher“, in dem er 1600 Exponate alltäglicher Gebrauchsgegenstände ausstellt und gerne erklärt. Besuchergruppen winken Waffeln und eben Viez. Oder Apfelsaft.
Nur schwer löste sich die Zweiradmeute. Zurück zur Kyll hieß die Devise, ist gleich wieder negatives Gefälle nach Nattenheim. Nein, nicht nach Rittersdorf, schön geradeaus durch Nattenheim durch führte der Weg die Gruppe entlang der Bitburger Straße und weiter den Hügel hinauf. Die Gruppe stoppte oben an einem Wegkreuz und genoss einen wahrlich herrlichen Rundum-Blick. New Energy Fans zählten über 100 Windräder.
Der Blick nach vorn bot glatten Asphalt auf einsamen Weg durch eine tiefe Senke. Jetzt war die Wilde Jagd angesagt. In Abständen stürzten sich die Wagemutigen ins Tal hinab um in rasendem Tempo auf der anderen Seite so weit wie möglich hoch zu kommen. Danach gab es Mulsum. Es bedurfte eines geschickten Hakens über die befahrene Landstraße und einer winzigen geheimen Brücke nebst Wirtschaftsweg der zur römischen Villa Rustica nahe Fließem führte. Aha! Fahrt dies nie ohne eine gute Wanderkarte nach. Aber was bitte war jetzt Muslum? Die guten alten Römer liebten es nicht nur süß sondern auch pikant. So würzten sie Weißwein mit Pfeffer, Lorbeer, Koreander und Honig. Ergebnis: Gewürzwein Mulsum. Den gibt es im Café des Museums „Villa Otrang“ lecker zu trinken. Hat einen scharfen Abgang übrigens. Da Kaffee und Kuchen auf jeder guten Radtour dazu gehören, genoss man Feuerwehrkuchen. Wegen des Abgangs?

Weiter zur Nattenheimer Barriere hinauf. Reichlich Viez und Muslum taten nun ihre Wirkung, man erblickte ein UFO.
Liebe Leserinnen und Leser, es stimmte wirklich, Zeugnis dieser Sichtung ist das Foto. In Wirklichkeit ist es das Dach einer KFZ-Werkstatt und eine findige Idee des Betreibers.
Die listigen Tourenleiter führten die Radelnde unter der Autobahn hindurch und bald wieder auf feiner Schotterpiste zurück in die Natur. Trotzdem stand man plötzlich im Stau. Alle die Milch und Käse liebten hatten Geduld. Sie fanden Malbergweich und wandten sich via Malberg über den schönen Höhenweg Kyllburg zu. Man hatte eine wunderbare Sicht auf das Schloss Malberg und der auf einen Bergkamm gebauten Stadt Kyllburg. Alles in allem war es eine wunderschöne Tour durch die Natur mit viel negativem und positivem Gefälle und nur 36 Kilometern Strecke. Doch nach fast 90 am ersten Tag reichten die völlig aus. Sagten alle.

Sonntag
„Römer sind heute aus, wir suchen uns Kelten und andere steinerne Zeugen,“ so die sonntägliche Ansage.
Am Anfang stand der Berg. Ziel musste wieder ein Bahnhof der Eifelstrecke sein. Doch nicht entlang Kyll wie auf der Hinfahrt bitte. Die Gruppe befuhr den Höhenzug westlich der Kyll
Kyllburg – Mohrweiler – Neuheilenbach – Weissenseifen, bog ab und folgte grob der Linie Wallersheim – Fleringen – Schwirzheim – Duppach – Steffeln – Lissendorf.
Jünkerath mit seinen stündlich verkehrenden RE-Zügen war das Ziel. Aber bitte nicht direkt, schön soll es sein. Sie nahmen die kürzeste und steilste Variante, welche sie von der Kyllburger Hochstraße den Wanderweg hinauf zum Nachbarort Mohrweiler brachte. Just in Kyllburg um die Ecke grüßte die Gruppe höflich zwei am Straßenrand stehende Damen. Sie grüßten zurück und fragten nach:
„Ja wo wollen Sie denn hin?“
„Nach Jünkerath!“
„Na, da sind Sie aber komplett falsch!“

Das war der running-gag. Ja, schön wurde es auch. Immer geradeaus durchquerten sie den beschaulichen Ort Mohrweiler. Es wurde tiefer Wald. Zur Freude aller befand man sich alsbald auf einer Schotterpiste wieder und machte nach erst fünf anstrengenden Kilometern eine verdiente Pause am Eisenmännchen, einer in einer Buche angebrachten Christus-Figur und einer Mords-Geschichte.
Nach Neuheilenbach trafen sie auf den sehr schönen Pilgerweg mit einer langen Reihe von Wegkreuzen der sie zum einst von Düsseldorfern gegründeten Künstlerort Weissenseifen brachte. Besucher erwartet ein phänomenaler Skulpturenpark mit verschiedensten Stilrichtungen in interessanten Sichtachsen. Das höchste Werk ist das monumentale vier Meter messende π .

Kilometerlang den Eifelwald auf zum Teil groben Schotter über Stock und Stein durchstreifend, wobei Stock zum Teil kapital ausfiel, wandten sich die Eifelentdecker Fleringen zu. Denn dort wirkten die Kelten. Recht nah stehen bei Fleringen zwei Menhire, die es zu besichtigen galt, steinerne Zeugen einer Jahrtausende alten Hunsrück-Eifel-Kultur. Heilige Hügel und ein Menhir-Steinbruch sind noch zu erahnen. Im Baselter Hof an der B410 gab es eine ausgedehnte Eis- und Kaffeepause.

Auf dem Weg nach Schwirzheim querte die Gruppe die ehemalige Bahn Gerolstein – Prüm. Die Gleise liegen dort noch. Vor Ort tobt die Diskussion über die zukünftige Nutzung als Museumsbahn mit Potential oder abreißen und Bahntrassenradweg bauen. Die Gruppe sagte spontan: “Beides!“ Richtung Duppach wurde zügig ein romantisches Wiesental durchquert. Zwischen Duppach und Steffeln konnten unsere Freunde noch zwei hübsche Überraschungen erleben.
Einmal eine Eisenoxyd führende kohlensäurehaltige Mineralquelle in unmittelbarer Nähe von Duppach. Das Wasser ist trinkbar und schmeckt wie eine rostige Stelle am Fahrrad.
Als Zweites bot sich der geschotterte Rundweg 10 zum Eichholzmaar an. Doch aufgepasst, No. 10 machte ungeahnt einen Rechtsknick auf einen steilen von Wurzeln intensiv durchsetzten Waldweg. Vorausradelnden fiel dies nicht auf, sie fing ein Wieselflinker wieder ein. Merke, wo der Tourenleiter ist, ist vorn. Dafür schoben fast alle das negative Gefälle der Wurzelpiste und wurden oben mit einem Blick auf das Eichholzmaar belohnt. Das renaturierte winzige Maar ist jeden Besuch wert. Ganz romantisch sind Schilf und Wasserpflanzen angesiedelt worden, Vögel haben dort ihr kleines Paradies gefunden.
Steffeln mit seiner Kirche und mannshohen Jesus-Statue daneben durchfuhren sie recht zügig. Da tat sich die Frage auf, dem Radweg über Auel folgen? Angesichts der Möglichkeit bereits in Lissendorf einen RE in Richtung Kölle erwischen zu können fiel die Entscheidung schnell. Lissendorf! Das auf direkten 4 Kilometern. Jünkerath adé.

Die Treppen im Bahnhof Lissendorf sind bestimmt nicht nur für Radfahrende quälend. Zudem gibt es keinen Fahrkartenautomat. Ein echtes Minus der Bahn. Stand 2012, wir hoffen auf Besserung.
Dies brachte die Diskussion wieder auf das Thema Fahrrad und Bahn. Siehe Kasten. Aber der Bahnhof Lissendorf hatte doch noch was Positives. Den arg Dehydrierten bot die Bahnhofskneipe sagen wir mal Erfrischungen an.

Fazit der Tour am dritten Tag. Sie bietet eine Menge an Natur- und Kulturdenkmälern und eine abwechslungsreiche Kombination aus Straßen und Fahrwegen. Es ging munter rauf und runter, wurde mit Ausnahme des Beginns in Kyllburg nicht belastend. Etwas rar sind die Einkehrmöglichkeiten. Es ist eine lohnenswerte Tour mit einer Strecke von 46 Kilometern, nach Jünkerath wären es weitere fünf inkl. einer Steigung eh… negativem Gefälle.
Um 18.06 Uhr kam der RE22 nach Köln an. Eine intensive Eifel-Radtour fand ihr gar nicht trauriges Ende an Gleis 4. Denn es hieß:
“Auf Wiedersehen im nächsten Jahr.“

Haben Sie Lust?

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